Der jüngst verstorbene Initiator Albrecht Weinberg kann bei 5. Verlegung nicht mehr dabei sein
Leer - In Leer werden am Montag, 15. Juni, weitere 20 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Eine Initiativgruppe arbeitet seit Monaten an der fünften Verlegung seit 2022. Vor vier Jahren wurden auf Initiative des Holocaustüberlebenden Albrecht Weinberg in der Bremer Straße die ersten Stolpersteine in Leer verlegt. "Leider wird Albrecht bei dieser Verlegung nicht mehr dabei sein", sagt Bernd-Volker Brahms als Sprecher der Initiativgruppe. Albrecht Weinberg ist Mitte Mai mit 101 Jahren verstorben. "Wir werden in seinem Sinne die Arbeit fortsetzen", sagt Brahms.
Die Verlegung am 15. Juni beginnt um 10 Uhr in der Kleinen Roßbergstraße für die Geschwister Cohen. Weitere Stolpersteine werden dann in der Bremer Straße verlegt. "Wir haben weiterhin viel Rückendeckung bei unserem Projekt", sagt Brahms. Das Projekt wird vor allem durch Spenden finanziert.
Es werden diesmal wieder zahlreiche Nachfahren zur Verlegung kommen. Darunter auch Angehörige von Helene Heyer. Die Frau wurde während des Nationalsozialismus aufgrund einer psychischen Erkrankung in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen und später in einer Tötungsanstalt ermordet. Sie ist ein sogenanntes Euthanasie-Opfer. "Wir wollen die gesamte Bandbreite der Opfer abbilden, die es auch in Leer gegeben hat", sagt Brahms. Ein weiter Stolperstein wird auch für den ehemaligen SPD-Reichstagsabgeordneten Hermann Tempel verlegt. Darüber hinaus auch für die jüdischen Familien Grünberg, Polak, Isaak und Baruch. Nachfahren werden hier dabei sein.
An der Veranstaltung wirken zahlreiche Schülerinnen und Schüler Leeraner Schulen mit. Auch Musiker Uwe Heger ist dabei. "Jeder Interessierte ist willkommen", sagt Bernd-Volker Brahms.
Es wird auch eine Broschüre mit den Biografien erstellt, die dann während der Veranstaltung abgegeben wird. Später sind sie unter anderem im Heimatmuseum sowie in der Ehemaligen Jüdischen Schulen zu bekommen. Die Projektgruppe Stolpersteine in Leer wird durch die Stadt Leer, den Landkreis Leer mit der Ehemaligen Jüdischen Schule sowie die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit wesentlich unterstützt.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Der heute 77-Jährige hat mittlerweile mehr als 116.000 Stolpersteine in mehr als 1800 Städten in 31 europäischen Ländern verlegt - zuletzt fanden Verlegung auch öfter ohne ihn statt. Dies wird in diesem Jahr auch in Leer der Fall sein.
Stolpersteinverlegung 2025 in der Rathausstraße Foto: Günther LübbersStolpersteinverlegung 2025 in der Rathausstraße Foto: Günther LübbersStolpersteinverlegung 2025 in der Rathausstraße Foto: Günther LübbersStolpersteinverlegung 2025 in der Rathausstraße Foto: Günther Lübbers
Informationen zu den Stolpersteinverlegungen und den Schicksalen dahinter.